Kunst oder nicht?

Reborn-Puppen - Kunst oder nicht?

Es ist eine Endlosdiskussion - was heißt: auch wir sind noch nicht fertig damit.

 

Dass das Modellieren von Puppen oder Figuren Kunst sein kann (um es neutral auszudrücken) bzw. Kunst sein sollte, steht wohl außer Frage.

 

Die allgemeinen Kriterien "eigenständiges Arbeiten" / "künstlerische Aussage" ...

die werden gerne dagegen angeführt, da ja die Rebornkünstler letztendlich nichts anderes machen, als vorgefertigte industrielle Bausätze einzufärben und mit Haaren zu versehen.

 

Ich denke mal, das ist einfach zu platt gedacht.

 

Nehmen wir doch mal irgendeinen Bausatz und geben ihn 10 verschiedenen Reborn-Künstlerinnen.

 

Wir erhalten exakt 10 unterschiedliche Reborns, bei denen man zwar eine gewisse Familienähnlichkeit feststellen kann, aber die - jedes für sich gesehen - ein neues Unikat sind.

 

Geben wir den Bausatz einfach mal so an irgendwelche "Hobby-Reborner" - dann erhalten wir vielleicht nette Fotos, aber letztendlich nichts anderes als "angemalte" Püppis.

 

Und genau hier scheiden sich eben die Geister.

 

Und der Anspruch echter Rebornkünstlerinnen, die ihren Sammlern wirklich Qualität liefern wollen.

Und die sich tagtäglich mit dem, was sie tun, auseinandersetzen, die Kurse belegen und sich auch sonst aktuell fortbilden.

 

Und wir sehen nicht ein, warum diese echten Rebornkünstler nicht als echte Künstler - Puppenkünstler - anerkannt sind.

 

Was ist Rebornen??
 

Reborn-Sammler und Reborner dürfen diese Seite überspringen –
aber es mag ja sicher noch etliche Puppensammler geben, die mit diesem Begriff absolut nichts anfangen können, und für diese Menschen kann diese Seite sehr interessant werden….
 


Vorab

„Rebornen“ heißt, einem Vinyl-Rohling / Bausatz oder auch eine fertige Vinylbabypuppe so zu bearbeiten, dass ein ganz individuelle Puppe entsteht, die einem „echten Baby" in nichts nachsteht, außer, dass sie eben nicht „lebendig“ ist.

Augen, Hautfarbe, Haare, Größe, Gewicht so wie das Gefühl, wenn man es in den Arm nimmt – alles das muss stimmig sein.

Der normale Puppenliebhaber weiß, dass Puppen eben Puppen sind.
Und je nach Hersteller oder Künstler sammelt er oder hat zumindest seine Vorlieben.

„Reborn“ – das klingt ja beinahe nach einer neuen Sekte….

Nein, so ist es absolut nicht!

Wir alle kennen Babypuppen. Aber – es sind eben Puppen und als solche auch erkenntlich.

Wir wissen zwar leider (noch) nicht, wer damit tatsächlich begonnen hat, industriell gefertigten Vinyl-Babypuppen ein persönliches Image zu geben, aber in jedem Falle war dies der Anfang, und dem- oder derjenigen sind wir Reborner zu Dank verpflichtet, denn er / sie hat uns eine völlig neue Welt eröffnet.

Mittlerweile (so ca. ab 2000) ist das Rebornen als künstlerische Tätigkeit von USA nach Europa geschwappt, und es gibt viele Rebornerinnen (in der Mehrzahl Frauen), die zum Teil im Hobbybereich, aber auch zunehmend im professionellen Bereich diesen Babies „Leben“ geben.

Und da nun unterscheiden sich auch die Geister – oder die Ansprüche an die Qualität.

Ein professioneller Reborner wird sich weiterbilden, denn die Entwicklung auf diesem Gebiet geht mit Riesenschritten voran – sei es in der Entwicklung von Farben oder Techniken oder Materialien.

Insofern ist auch nicht weiter schlimm, Rebornbabies der ersten Art zu haben – auch sie haben ihren Sammlerwert, vorausgesetzt, sie sind sorgfältig bearbeitet.
 


So, nun aber zum Hauptthema zurück – was ist Rebornen?

Rebornen heißt, aus einem industriell gefertigtem Rohling oder einer Babypuppe ein individuelles „Baby“ zu machen, das so lebensecht ist, dass Sie in der Straßenbahn einen Sitzplatz angeboten bekommen, wenn Sie es auf dem Arm haben.

Dazu braucht es natürlich vieler Schritte….

Zunächst einmal – die Qual der Wahl.

Ohne die Künstler, die unsere Babys modellieren, wären wir „aufgeschmissen“ (Wie die gesamte Puppenindustrie).

Diese Unikate gehen dann in den Produktionsgang und kommen entweder als „Bausätze“ oder fertige Puppen wieder heraus, wobei es große Unterschiede sowohl in der Qualität der Abformungen als auch in der Qualität des jeweiligen Vinyls gibt.
 


Und hier beginnt der zweite Prozess –

das modellierte Grundmodell ist ein Unikat, und das, was nach dem Gießen herauskommt, nur eine Kopie, die

   » entweder industriell eingefärbt und als „Babypuppe“ oder

   » ungefärbt als Bausatz für Reborner in den Handel geht.


Und genau hier setzt die Kunst des Rebornens ein und macht aus der Kopie wieder ein Unikat.

Das kann man ungefähr damit vergleichen, als wenn mehrere Maler dasselbe Motiv malen. Jedes Bild trägt die Handschrift des Künstlers, und jedes Bild unterscheidet sich von den anderen. Und manche sind stümperhaft, andere kitschig und einige richtig gut.

Wobei – der Fairness halber – auch gesagt werden muss, dass zwar alle Reborn-Puppen Unikate sind, da sie individuell bearbeitet wurden, aber dies noch nichts über ihre Qualität aussagt.

Qualität – damit sind sowohl die Techniken als auch die verwendeten Materialien gemeint und, last not least, der Gesamteindruck.

Wobei – bei den Materialien geht es schon ans „Eingemachte“, denn sowohl Farben als auch Füllmaterialien haben sich in den letzten Jahren weiter entwickelt, ganz zu schweigen von den Farben und Mal- und Rootingtechniken.

Rebornpuppen der ersten Jahre – auch sie haben ihre Berechtigung und ihren Wert, denn sie sind Zeugen einer Entwicklung.

Ein verantwortungsvoller Rebornkünstler wird sich laufend weiterbilden und somit seinen Erfahrungsschatz erweitern und anwenden.

Rebornpuppen – sind einzigartige Sammlerpuppen.
 


Arbeitsschritte

Die einzelnen Arbeitsschritte und Anforderungen, um so ein lebensechtes Baby zu erschaffen, können Sie anhand der aktuellen Standards ersehen.

Hier einmal in Kurzform:

Ein Bausatz wird sorgfältig entfettet, eine Industriepuppe erst auseinander genommen, die Füllungen und (meist Plastik-) Augen entfernt, von ihren Haaren befreit, entfärbt und dann entfettet.

In vielen dünnen Schichten werden Gliedmaßen und Kopf eingefärbt und mit Effekten versehen, bis die Hautfarbe und die Lippen "lebensecht" wirken.

Finger- und Fussnägel bekommen ihr realistisches Aussehen.

Die Haare werden mit einem Spezial-Mohair, das dem natürlichen Babyhaar gleicht, sorgfältig gerootet (d.h. mit einer extrem dünnen Spezialnadel, die maximal 1-2 Haare fasst, in die Kopfhaut eingepflanzt, so dass auch Wirbel bzw. die natürliche Wuchsrichtung beachtet werden). Dieser Vorgang dauert etliche Stunden bzw. Tage.

Danach wird die Kopfhaut von innen versiegelt.

 

"Groß im Kommen" sind gemalte Haare.

Dies ist aber derzeit auch die einzige Möglichkeit, einen absolut zarten Haarflaum nach zu empfinden und erfordert ein absolutes künstlerisches Können, wenn der Eindruck wirklich echt sein soll.


Bei "Schlafbabies" werden die Wimpern gerootet – Wimpern „am Strang“ sind nur bei „Wachbabies“ erlaubt, müssen aber zugeschnitten werden, um natürlich zu wirken. Auch die gerooteten Wimpern werden von innen versiegelt.


Wobei mittlerweile auch bei "Wachbabies" die Wimpern gerootet werden - eine sehr schwierige Prozedur, die sehr viel Können erfordert.


Augenbrauen können gerootet werden oder gemalt – wichtig ist auch hier der natürliche Eindruck.

Die Augen müssen lebendig wirken – hier werden spezielle mundgeblasene Glasaugen eingesetzt, die dem menschlichen Auge entsprechen. „Plastik-“ oder „Puppen-“ Augen sind ein absolutes Tabu, denn bisher erreichen sie nie die Natürlichkeit eines mundgeblasenen Glasauges - sie sind nur um ein vielfaches billiger.

Für den restlichen Körper nimmt man einen sogenannten „Scheibengelenkkörper“, der die natürlichen Bewegungen von Armen und Beinen garantiert.

Die Füllungen von Kopf, Gliedmassen und Körper sollen umweltfreundlich, ungiftig und von außen „natürlich auf die Berührung“ wirken. Zudem müssen Gewichte eingebracht werden, um das "gefühlte" Gesamtgewicht eines Babies zu erreichen.

Summa summarum:
die Herstellung einer Rebornpuppe erfordert Zeit, Geduld, künstlerisches Talent plus professionelles Know How und Erfahrung.

Und vor allem dazu eine ständige Weiterbildung, denn die Entwicklung der Techniken und die Erkenntnisse über die verwendeten Materialien bleiben nicht stehen.